Tuesday, May 24, 2005

Indien in Bildern (6)

Eigentlich sind ja jetzt alle Geschichten bereits erzaehlt worden. Und so schiebe ich diese Mail seit einer Woche doch ein wenig vor mir her. Jetzt muessen halt Bilder (mehr oder minder) fuer sich selbst sprechen. Ich hoffe, diese Mail wird dabei nicht all zu datenintensiv.

An dieser Stelle ist es wohl auch geboten mich fuer meine schreckliche Rechtschreibung zu entschuldigen. Das war mir nun wirklich peinlich. Da habe ich 'formulieren' wirklich mit V geschrieben. Ich schiebe die Schuld auf das indische Wetter. Oder, moeglicherweise wurde ich von einer fremden Macht gelenkt? Aber die Hitze war die letzten Tage wirklich nicht schoen. Am letzten Wochenende brachte selbst der Fahrtwind keine Abkuehlung mehr. Als ob ein Hochleistungsfoen mit in die Rickshaw eingebaut worden war.

Ich bin jetzt seit einer Woche in der Stadt. Wobei diese Woche noch damit verbracht wurde meine Verdauung wieder auf Vordermann zu bringen. Ich hatte leider am Samstag ein Sandwich gegessen (oder war es doch der Fruchtsaft vom Strassenstand?), welches mich dahin gerafft hat. Den Sonntag lag ich mit Fieber danieder. Und die darauf folgende Nacht war nicht besser. Ich musste 12 Stunden am Flughafen von Delhi ausharren, da Air India nicht puenktlich abfliegen wollte. Immerhin hatte ich im Flugzeug eine ganze Sitzreihe fuer mich alleine, so dass ich mich ausbreiten und gut schlafen konnte. Ein echtes Upgrading.

Ich hoffe, Ihr habt ein wenig Freude an dieser letzten Mail. Und hoffentlich sehen wir uns bald wieder.

So, jetzt kommen die Bilder. Mal mit Kommentar und dann Mal wieder ohne.

Ciao, Philipp

Gebetsfahnen in Manju-ka-tilla.



Eine komische Statue in einer (sehr versteckten) Ecke auf dem Uni-Campus. Leider weiss ich nicht wer der Knabe ist. Der Grundungsrektor vielleicht? In Indien gibt es ja nicht nur VIPs, sondern auch viele V-VIPs (wird gern in den Zeitungen benutzt um Politiker und Filmsternchen zu beschreiben). Ist ja auch gut, wenn man seine Stellung kennt.



Aua!



Die aktuelle Werbekampagne fuer den Stellenmarkt in der "Hindustan Times" (www.hindustantimes.com). Schoenes Motto. Fast schon besser als "veritas, iustitia, libertas". Ist das unsere wirre Zukunft?



In Poona wird ja zwei Gottheiten gehuldigt: Ganeesh, dem Elefantengott des guten Gelingens, der fuer Wohlstand und Familienglück sorgt, und Osho (www.osho.com). Die Stadt ist gepflastert mit ihren Bildern und Bildnissen. Die Osho-Poster bieten dafuer aber zusaetzlich noch ein paar (nuetzliche) Sextips.







Mehr ist leider nicht vom "Romeo und Julia"-Film mit 'Mother India' Nargis uebrig geblieben.



Und ich dachte schon, ORWO waere pleite und haette dicht gemacht. Ist doch schoen, wenn gute Ostprodukte weiter leben.







Die indische Dreifaltigkeit: Lassi, Lassi, Lassi. Lecker und kuehlt. Das Lassi in Mumbai ist uebrigens wesentlich leckerer als das in Delhi (eine duenne Ploerre). In Bombay habe ich auch die gesuendesten Kuehe das ganzen Landes gesehen. Die werden mit Gras gefuettert und muessen sich keine Chipatis aus dem Muell fischen.



Monsoon Wedding









Der gute Till hatte mir ja ans Herz gelegt unbedingt zu einem der Fotostudios auf den Bazar zu gehen. Dort wuerden sie noch hand-colorierte Bilder anfertigen. Halt ganz altmodisch. Leider hat auch auf dem Chandni Chowk in 'Old Delhi' die digitale Revolution Einzug gehalten. Es dauerte deshalb bis ich ein Fotostudio gefunden hatte, welches meine Wuensche erfuellen konnte. Ich habe das Ergebnis mit dem Original (das bin ich) verglichen und will versichern, dass ich mich in einem Monat nicht derart veraendert habe. Auch ist mein Haar nicht ergraut. Vorhang auf...



Saturday, May 14, 2005

Delhi im Rausch (5)

Ganz Delhi ist verliebt, so scheint es. Oder sollte es zumindestens doch sein, denn die Sterne stehen wohlwollend.

Ich habe gestern nochmal meine letzte Mail an Euch alle gelesen und gleich zu Anfang der Nachricht bin ich ueber die Vormulierung mit der "Vokalfolge" gestolpert. Aber, was wollte ich damit nur sagen? Eigenartig. Ich komme nicht umhin zum vermuten, dass das was ich einst im Kopf hatte, mittlerweile durch fritierte Pakora ersetzt worden ist: Bunt durchgemischt, haben in Kichererbsenmehl gewendete und in Fett ausgebackene Kartoffeln, Blumenkohl und sonstiges Gemuese mein Hirn verdraengt. Es ist nicht schoen, auf das intellektuelle Niveau eines Krapfens zu sinken, sage ich Euch. Ich freue mich schon auf das kalte klare Wasser, welches zur Zeit auf Euer Haupt regnet und mir auch bald den Kopf abkuehlen wird.

Gestern wurde geheiratet. Eigentlich, so vermute ich, haette man einen dieser Massenhochzeitspriester aus Korea oder Japan einladen koennen. Denn gestern war der Hochzeitstag des Jahres. Die beste Sternenkonstellation unter deren Vorzeichen man sich den Bund fuers Leben schwoeren kann. Alles was im richtigen Alter war wurde deswegen wegverheiratet. Mein Internetcafebetreiber Ankush war einer von ihnen und er meinte, dass diese Woche wahrscheinlich mehrere tausend Paar heiraten werden. Ich bin zum Glueck, fuer indische Verhaeltnisse, weit ueber dieses Alter hinaus. Weshalb jedes Kind mich "uncle" nennt. Ich erzaehle lieber nicht, dass ich single bin. Ich will nicht wissen, was dann alles passieren mag. Anyway, alleine in der Strasse in der ich wohne gab es drei Hochzeiten. Der Park vor der Tuer, mein Garten Eden, wurde abgesperrt und mit bunten Stoffbahnen und vielen (wirklich sehr vielen) Blumen dekoriert. Vom Haus am Ende der Strasse wurde ein Braeutigam von einer Blaskapelle in Kaesekuchenuniform abgeholt, auf ein weisses Pferd gesetzt und zu seiner Braut geschleppt. Sehen konnte der arme Kerl wahrscheinlich nicht wo es hin geht, da sein Gesicht mit Lametta verhaengt war. Fuer Ankush hingegen gab es keinen Schimmel, er wurde in einem kleinen weissen Suzuki abgeholt und ins russische Kulturzentrum gefahren.

Die Ehe ist von der Eltern eingefaedelt worden. Es ist also die klassische, arrangierte indische Ehe mit der sich jetzt halt Ankush und Bindiwa arrangieren muessen. Dementsprechend, so hatte ich das Gefuehl, machte das Brautpaar nicht den Eindruck, als ob es sich wirklich ueber diesen Tag freuen wuerde. Traurig und irritiert blickten beide von ihrer Loge ueber das Treiben der Sippschaft. Ich fuehlte mich in meine Kindheit zurueckversetzt, in die Zeit, in der meine Schwester mit ihre Puppen spielte und diese auch keine Chance hatten sich zu wehren. Ich habe mehrfach versucht ein "Hochzeitsfoto" mit einem strahlendem Brautpaar zu machen, aber es wollte mir nicht gelingen. Als ich am Morgen des Hochzeitstags zu Ankush kam um nach meine Mails zu schauen, sass er noch am Schreibtisch. Er machte nicht den Eindruck, als ob er heute heiraten wuerde, sondern eher als ob ein neues Mitglied in die Gross-Wohngemeinschaft einziehen wuerde.

Am Montag hatte meine Nachbarin, die klassischen indischen Tanz studiert, Kathak, ihre Abschlusspruefung. Ihr ganzer Jahrgang, davon die Haelfte Maedchen aus dem Ausland, mussten jeweils eine ganze Choregraphie und einzelne Elemente vorfuehren. Gleich bei der ersten Frau setzte der Strom aus und im Saal wurde es zappenduster. Welch ein Unglueck. Aber weil sie als einzige auf Englisch, schwer japsend, ihre Elemte vorstellte, weiss ich, was Ihr Tanz darstellte: Sie spielte ein junges Maedchen, das am Fluss Yamuna, eine dreckige aber heilige Bruehe, beim waschen der Kleidung von Krishna verfuehrt wird. Sie bleibt aber Standhaft. Der junge Gott hat naemlich einen schlechten Ruf, versucht er doch mit seinem Floetenspiel jede Milchmagd zu umwerben, die ihm ueber den Weg laeuft.

Viele Gruesse, Philipp

Sunday, May 08, 2005

Blatta Orientalis Express (4)

"Oh, wie schoen ist Panama," sagt der kleine Tiger. Ich aber sage: "Oh, wie schoen ist Goa!" Klingt doch auch sehr schoen, diese Vokalfolge.

Die vergangene Woche verging nicht nur recht flott, sondern extrem Abwechslungsreich. Obwohl, was Goa betrifft, so war es der Mangel an Abwechslung, der den Reiz ausmachte. Es ist bereits Nachsaison, und da in wenigen Wochen der Monsoon ausbrechen wird, waren viele der Restaurant-Leute und Huettenvermieter schon am aufraeumen. Das bedeutet auch, dass der Preis dramatisch guenstig war. Ich habe fuer meine Strandhuette 100 Rupien gezahlt, das sind so um die zwei Euro. Dafuer gibt es aber auch nicht viel: Vier in den Boden gerammte Pfeiler, ein paar Latten, einige Plastikplanen, mehr Bambus und Palmenblaetter, und alles zusammengehalten mit ganz ganz viel Bindfaden. Um einen herum tollten sich die Schweine (die asiatische Version, Typ Haengebauch), die Huehner scharrten rum, und der Strand war vor der Tuer - der Muell aber leider auch. Aber das ist, was ich eines der indischen Probleme nennen moechte: Es gibt (wie fuer so vieles) kein entrinnen. Fuer diesen Luxus kann man dem Touristen in der Hauptsaison bis zu 7 mal soviel abschwatzen. Zu Weihnachten sogar ein wenig mehr. Das Wetter war entschieden besser als in Delhi, was schon daran zu erkennenen ist, das ich Euch in der letzten Mail von einem Abendessen am Strand unterm Sternenhimmel berichten konnte. Delhi kennt keine Sterne und eigentlich auch keine Sonne. Ueber der Stadt haengt ein staendiger grauer dreckiger Smog-Schleier. Und mit den Muecken gab es auch keine Problem. Im wesentlichen wenigstens.

Ich bin gerade bei meinem zweiten Buch (der Schnitt muss noch besser werden): Nach einer Autobiographie ueber eine Jugend in Indien vor der Unabhaengigkeit, alles doch schon sehr verklaerend und romantisierend, lese ich jetzt "Holy Cow!". Angenehm zynisch und ich erkenne mich immer aufs neue wieder. Nur teste ich nicht die spirituelle Vielfalt des Landes aus. Die Autorin, Sarah Habe-den-Namen-Vergessen, beschreibt auch sehr schoen das Mantra der indischen Autofahrer: "Please Horn! OK!" Alternativ auch: "Horn me!" Steht hinten auf jedem Auto. Vor allen auf den Lastern. Wie vor einer Woche, oder so, beschrieben, gibt es in Indien keine Rueckspiegel: Gefahren wird, das hat man sich von den Fledermaeusen und Delphinen abgeschaut, nach Gehoer. Ultraschall! Das wird die naechste Stufe der Evolution werden. Ich habe mit ein paar Backpackern in Goa vermutet, dass es eine sexuelle Aufforderung sein koennte. So Mouse T-Maessig: "I'm so horny, horny, horny!" Die kleinen Motor-Rickshaws bitten nur um ein wenig Abstand. Und die protzigen Ambassadors (indiens Staats- und Taxikutschen, die aber nicht mehr hergestellt werden) drohen an, sie haetten "Power brakes". Das ist wohl ein wenig uebertrieben.

Ich habe beschlossen, fuer ein positives Karma, nichts mehr uebers bescheissen werde zu schreiben. Und mich auch nicht darueber auszulassen, dass ich 3.000.000 x Tag mit "Excuse me.", "Sir!" oder "My friend!" angelabert werde. Gestern ist mir dann aber doch die Schnur gerissen, als ein Typ mir entgegen kam und nach zwei freudlichen "Nein Danke", meinte, mir erzaehlen zu muessen, ich haette Seife im Gesicht. Das war eine Luege. Und ich wusste es genau. Ich habe ihn einfach nur noch angebruellt. Nicht schoen. Und wo wir bei den schlechten Nachrichten sind. Am Donnerstag hatte ich dann fast einen Kollaps. Bin den halben Tag durch Bombay gelaufen und dann nur noch zusammen geklappt. Auch nicht schoen. Habe es noch ins Hotel geschafft und vor mich hin hyperventiliert. Ja, Indien geht mir einfach an die Substanz. Deshalb ein ganz besonderer Dank an Till, der an mich glaubt, und bereit gewesen waere, bei der Uni-Buchmacher Mafia auf meinen laengeren Aufenthalt in Indien eine nicht unerhebliche Summe zu setzten. Aber ich will nicht Till im Schuldnerturm sehen, oder auf dem Grund der Alster. Auch wenn sein Vorschlag in Tamil Nadu, in 2000 Meter Hoehe, die Vorteile eines kolonialen Lebensstils zu pflegen, verlockend klingt.

In Bombay war ich kurz in der Bibliothek des National Centre for the Performing Arts (NCPA). Es gab drei Beucher mit Uebersetzungen von Shakespeare Dramen (1 Buch = 1 Drama) in Maharati und nichts zur Shakespeare Rezeption in Indien oder Bombay/Mumbai. Geschweige denn, was auf Englisch, so dass ich es auch haette lesen koennen. Aber die Bibliothekarin hatte einen dicken Ordner mit Zeitungsausschnitten zu Shakespeare - vor allem mit Rezensionen von Inszenierungen am NCPA. Und in einem kurzen Artikel habe ich dann zwei Filmtitel gefunden, die ich jetzt versuchen werde ausfindig zu machen. Ich war auch bei den Produzenten von "Maqbool", die recht hilfreich waren und mir zwei Kontakttelefonnummern gegeben haben. Aber der Typ meinte auch, das es in Indien nur, und zwar ausschliesslichen, ueber Networking laeuft. Institutionen gibt es wenige, und die meisten sind Teil der Regierung. Und das bedeutet, dass nichts passiert. Das hatte ich schon am Filmarchiv bemerkt, Teil des Ministeriums fuer Information und Rundfunk (und Propaganda?). Ach, mit dem Chef des British Council in Mubai stehe ich auch im Kontakt, vielleicht hat der noch 'ne Idee. Aber wir konnten nicht miteinander richtig reden, weil er sehr beschaeftig war. Das war am Tag der Unterhauswahl in GB. Der gute Mann war am rotieren.

Am NCPA habe ich noch ein Theaterstueck gesehen. Kindesmissbrauch in der Familie durch den "uncle". Sicherlich ein noch heisseres Eisen in Indien als bei uns(?). Ist ja auch Thema in "Monsoon Wedding".

Ich bin heute mit dem Radjani Express, das ist Luxus, sage ich Euch, aus Mumbia in Delhi angekommen. Nur 17 Stunden fuer 1400 Kilometer. Essen ist im Preis inklusive und wir wurden gut gemasstet. Obwohl der Zug ganz neu war, hatten wir aber noch ein paar blinde Passagiere an Bord: Die "Blatta Orientalis", die gemeine orientalische Kakerlake. Oder war es doch die germanische? In drei Wochen habe ich keinen einzigen Krabbler gesehen. Dann fahre ich im Luxusabteil und ueberall wimmelt es. Mit im Abteil waren zwei deutsche Langzeithippies. Die leben seit 15 Jahren in Indien. Der gute Mann hat zum Teil einen Stuss gesappelt und 'rum gezetert: Gegen die Regierung, die Manager, die Inder, die Touristen, ... Aber im Rausch - eine Flasche indischer Fusel wurde mit zwei Nigerianern (und am Ende auch den fleissigen Schaffnern) ge-ext, waehrend sein Frau still ihr Buch gelesen hat - kamen auch ein paar interessante Beobachtungen zu Tage. Vor allem als er die junge indische Frau, die mit im Abteil sass (Kurzbeschreibung: hat in Schottland studiert, kommt aus Bombay, ist mit einem Deutschen verheiratet und wohnt in Muenchen - und macht einen ehrlich netten Eindruck) fragte, welcher Kaste sie denn angehoert. Das war ihr sichtlich peinlich. Sie wollte nicht raus mit der Sprache und hat beteuert, dass es diese Tage auch nicht mehr wichtig sei. Und dass viel ihrer Freunde mit Partnern aus anderen Kasten verheiratet sind. Und auch wenn ich ihr glaube, dass fuer sie das Thema der Kaste keine Bedeutung hat, wurde recht klar, aus welcher Kaste sie stammt und was fuer Moeglichkeiten ihr damit eroeffnet wurden und werden.

So: Die letzte Woche Indien bricht an.

Viele liebe Gruesse, Philipp

Sunday, May 01, 2005

Jetzt kommt 'ne ganz billige Headline - "Let's Goa" (3)

Ja, hallo,

in der letzten Woche ist ja schon eine ganze Menge passiert... und wer weiss, wie diese Mail enden wird. Ist eine Romanze moeglich? Also, lasst Euch ueberraschen waehrend ich meine Notizen der vergangen Tage durchgehe.

Poona war schon recht skuril. Lauter Maenner und Frauen im roten Nachthemd, die des Nachts zu wilder Popmusik ausgelassen tanzen. Das gesamte Viertel wird naemlich vom Osho International Centrum bis Mitternacht beschallt. Und, so weiss ich jetzt, dass Kylie die Herzen der Juenger schneller schlagen laesst: "I'm spinning around..." Hinter der Osho Kommune liegt ein sehr schicker Park, in denen man meditieren kann. Das gilt auch fuer nicht-Erleuchtete, wenigstens in der Zeit von 6-9 und 15-18 Uhr. Vormittags ist das ganz entspannend, weil man ohnehin morgens um 6, wegen der Waerme /Hitze, von selbst aufwacht. "Osho's Teerth" ist ein wirklich sehr schick angelegter Park, der sich an einem Fluesschen entlang schlengelt. Und so ordentlich. Aber Putzen (und so weiter) ist ja auch nur eine weitere Moeglichkeit klare Erkenntnis zu erlangen. Das ist nicht nur eine Zen-Geschichte. Vielmehr sehe ich das ja immer wieder bei meiner Mutter. Ihr kennt das Mantra: Cleanliness is next to godliness. Am Freitag Nchmittag war der Park aber der Magnet fuer die Jugend Poonas, ein Ort, abseits von Bekannten, ein wenig Vertrautheit zu ueben.

Das Viertel, Koregaon Park, ist fest in westlicher Touri-Hand. Und das Zentrum dieser Bewegung ist (natuerlich) die "German Bakery", ein vorbildlich von Thailaendern gefuehrter Betrieb, der die Wuensche und auch Aengste seiner Klientel befriedigt. So erklaert ein Schild, dass das Gemuese und Obst mit desinfiziertem Wasser gereinigt wird, alles wirklich frisch ist und der Joghurt wirklich nicht zu einem 'Delhi Belly' fuehrt. Jo war ja so nett mich in seiner Mail vor den Genuss von Lassis und Joghurts zu warnen. Leider aber, unfailing sense of timing, erst 24 Stunden nach einem leckeren Paneer Tikka am Bengali Market, welches ich mit einem salzigen Lassi runtergespuelt habe. Wen es interessiert, generell funktioniert meine Verdauung einwandfrei, und nach ein oder zwei Tabletten Imodium Akut, ist alles wieder im Lot. Eine andere schoene Formulierung, die ich gelernt habe ist "time is monkey". Davon gibt es aber nicht halb so viele, wie Kuehe und vor allem Hunde. Habe ich in einer meiner letzten Mails geschrieben, wie mir der Tibeter in Delhi erzaehlte, wie eine der heiligen Kuehe Delhis obduziert wurde und man aus dem Pansen des armen Tiers 45 Kilo Plastikmuell rausgeholt hat? Plastikmuell scheint bald auch den letzten Landstrich Indiens zugedeckt zu haben. Ich, wie alle anderen Touris, trinke ja nur Wasser aus Flaschen. Was aber mit dem ganzen Muell passiert, weiss ich nicht. Ein geregeltes System gibt es nicht. Weder Recycling, noch echte Deponien. Die PET-Flaschen aus Deutschland, so berichtete der Spiegel vor einiger Zeit, werden ja nach China exportiert und dort als hochwertiger Rohstoff geschaetzt. Neue Flaschen duerfen ja nicht aus Recyclingmaterial hergestellt werden (Stichwort: Lebensmittelrecht). Aus 45 PET-Flaschen (oder waren es 25?) kann man aber einen wunderschoenen Fleece-Pullover machen. Den gibt es dann fuer 10 Euro bei Tschibo. So, wenn sonst nichts, dann hat diese Mail wenigstens ihren Bildungsauftrag erfuellt. Aber reden wir mal ueber Poona.

Vor allem ist Poona ein einziges Verkehrschaos. Normaler Verkehr ist schlimm - die Rush Hour ist die Hoelle. Gewoehnlich ist ja in Indien der Buergersteig um ca. einen halben Meter erhoeht und an jeder Kreuzung und Ausfahrt mit Pollern gesichert. Delhi ist ein ideales Gebiet fuer Huerdenlaeufer. In Poona wurden alle Buergersteige in Shotterpisten umgewandelt, die jetzt als zusaetzliche Fahrbahnen - eigentlich es gibt ja keine Fahrbahn in diesem Sinn, da es ja auch keinen Grund fuer den Rickshaw-Fahrer gibt nicht auf der Spur des Gegenverkehrs zu fahren - funktioniert. An einem Tag, auf dem Weg zurueck mit der Rickshaw vom Archiv nach Koregaon Park, bin ich in ein wirklich befreiendes Lachen ausgebrochen. Auf einer Kreuzung wurde der Strassenbelag verschlimmbessert, was zu einem gordischen Verkehrsknoten fuehrte. Nichts ging mehr. Mein Fahrer hat mich nur breit angegrinst. Auch sehr schoen: In Indien piepen die Autos ja, wie die Laster im Hamburger Hafen, wenn sie rueckwaerts fahren. Einige haben auch ein paar Popsongs oder "Fuer Elise" drauf. Ich vermute ja, dass es einen Markt fuer Auto-Toene in Indien gibt, vergleichbar mit den Klingeltoenen von Jamba ("Waehle die 666 fuer ein "Gloria" als polyphones Orgelkonzert!") fuer Handies. Man sollte aber die Inder darauf aufmerksam machen, dass ein Blick in den Rueckspiegel nicht schaden koennte. So dieser denn nicht bereits abmontiert wurde - ein Sicherheitsabstand wird naemlich auch nicht eingehalten.

Power Cuts Der ganze Staat Maharasha hat ein zentrales Problem: es wird nur halb so viel Strom produziert, wie der Tigerstaat benoetigt. Das bedeutet, dass es jeden Tag angekuendigte Power Cuts gibt, im Schnitt zwischen 4 und 7 Stunden lang. Der Markt fuer Diesel-Generatoren boomt. Im Filmarchiv sieht es dann so aus, dass ploetzlich das Licht und der Projektor ausfaellt - bis nach wenigen Minuten das Aggregat anspringt und alles weiter laeuft. In der Zeitung habe ich gelesen, dass dieses Spiel seit einem beruechtigten Enron-Skandal vor 10 Jahren so geht. Gibt es eigentlich Enron noch? Oder wurde das freundlichen kleine Familienunternehmen vor einigen Zeit nicht zerschlagen. Da war doch was, von wegen Steuern und Bush etc.?

Das Filmarchiv selbst war nur bescheiden ausgestattet. In drei Tagen habe ich alles 'rausgezogen, was drinn war. Unter anderem habe ich zwei Filme gesehen, wovon ich einen bereits kannte, aber nur von einer schlechten VHS, ohne Untertitel.

Der erste Film war ein s/w Hamlet aus den 1950ern. Im grossen und ganzen nicht sehr beeindruckend. Aber es wurde gesungen. Leider wollte Hamlet nicht ein kurzes Staendchen anstimmen. Das waere Mal Interessant: Hamlets fragenden Monologe als heitere Liedchen. Aber Orphelia hat sich schoen in den Wahnsinn gesungen. Und mit der letzten Zeile springt sie dann auch ins Wasser.

S in Sari steht fuer Sex
Der andere Film war aus Kerala und hiess "Kalyiyattom". Eine Othello Adaption. Da wurde unter anderem das beruehmte Taschentuch zum roten Bettlaken, auf denen sich bereits Generationen von Othellos weitervermehrten habe. Sex gab es nicht zu sehen. Othello und Desdemona haben sich aber huebsch mit Farbpulver bemalt und dann - Schnitt - wurde das Tablett mit den Farbschuesselchen auf den Fussboden geworfen. Ein wahrer Farbregen.

Wie sagt der Sven Regener immer: "Romantik!"
Jetzt muss ich mich aber ran halten. Ich sitze hier bereits seit ueber einer Stunde. Deshalb auch die Entschuldigung an alle, die mir geschrieben haben, dass ich jetzt nicht einzeln antworte. Ich habe mich aber ueber alle Mails sehr gefreut. Weiter so!

Sabine Kroh war ja so lieb, mich darueber in Kenntnis zu setzten, dass eine Wette laeuft, wie schnell ich in Indien schlapp machen werde. Die Antwort: Sehr schnell. Vielleicht sogar zu schnell. Ich werde naemlich bereits am 16. Mai wieder in Berlin landen. In Delhi - nach Goa, wo ich jetzt bin, und Mumbai - werde ich also noch eine Woche arbeiten und dann war es das auch schon. Ich habe Mal in der Bibliothek des Nationalen Filmarchivs gestoebert und die Titel mit unserem OPAC verglichen, und alle Titel sind in Berliner Bibliotheken vorhanden. Da kann ich die Buecher auch dort lesen. Bei der Hitze kann man sich ohnehin nicht konzentrieren.

Die letzten 36 Stunden waren Entspannung pur: Ich bin jetzt in Goa am Strand von Palolem, das ist ganz im Sueden, und habe eine kleine Strandhuette auf Stelzen belegt. Baden, rumlungern und essen. Mehr kann man auch nicht machen, aber das ist mir auch recht so. Am Dienstag geht es dann nach Mumbai. Da werde ich wahrscheinlich viel Energier brauchen.

So, jetzt geht es gleich an den Strand was nett unter dem Sternenhimmel essen - und eine Flasche "Belo" , das lokale Gebraeu, wird auch drauf gehen. Geniesst die letzten Sonnenstrahlen.

Viele liebe Gruesse, Philipp

Monday, April 25, 2005

Jetzt aber Poooona (2)

So, dass war jetzt aber eine kurze Reise. Mit um die fuenfzig Sachen bin ich die letzten 30 Stunden ca. 1500 Kilometer nach Pune gebrettert. Angeblich ist Pune ja ganz anders als Delhi. Zu Beispiel sollen hier alle Rickshaw-Wallahs ihre Taxameter benutzen und mir wurde auch gleich von einem aelteren Paar eine Tarif-Tabelle gegeben. Nun ja, am Bahnhof wurde ich gleich von einem Typen abgefangen. Sein Kumpane wartete bereits auf ihn und bewachte das Gefaehrt. Beiden machten nicht den besten Eindruck. Ach, das Taxameter funktionierte nicht. Auch die Tabelle, die ich dem Knaben entgegen hielt beeindruckte wenig. "100 Rupien!" Das alte Spiel. Nach viel hin- und her einigten wir uns auf 30. Das war wirklich fair. Ob ich nicht in ein ganz tolles und billiges Guesthouse wollte? Nur 200 Rupien. Nein! Endlich im Hotel Sunderban angekommen, geht die Bescheisserei weiter. Ich gebe des Wallahs Schergen 50 Rupien und ploetzlich heisst es, wir haetten 40 ausgemacht. Leider halfen bei dem Typen nicht die uebliche Verhaltensmassnahmen. Meckern. Schreien. Laut, nein, sehr laut werden. Naja. Jetzt lebe ich aber im Luxus. Fuer indische Verhaeltnisse. Denn ich bin mitten in Osho-Land gelandet. Gleich nebenan ist das Osho-Meditationszentrum. Viele junge (und vor allem weisse) Menschen tragen die Bagwahn Uniform und lernen Ihre Seele zu lieben, oder so. Ist in diesem Land auch dringend angeraten. Oh, was war das mit der grossen Romanze? Wo ist der Wunsch hin, dieses Land lieben lernen zu wollen? Anyway, die Aussicht in einem normalen Backpacker zu wohnen hat mich nicht all zu sehr angesprochen. Also habe ich jezt ein kleines Zimmer (mit Badezimmer auf dem Flur), aber alles sauber. Das Hotel hat sogar ein Cafe und einen Garten. Und ueberall sind Touristen. Ich habe auch schon die German Bakery entdeckt. Da jetzt Nebensaison ist, gibt es das Zimmer fuer 490 Rupien statt 700. Das ist zwar ein kleines Vermoegen, verglichen mit den 180 Rupien, die ich dem Herrn Verma fuer das Zimmer in Delhi bezahle - aber ich glaube, dass die Aussicht auf ein wenig Ruhe es mir wirklich Wert ist. Wir werden weiter sehen. Ansonsten ziehe ich einfach um. Ich plane ohnehin nur ca. eine Woche hier in Pune zu bleiben.

Am Donnerstag habe ich dann Pankaj Butalia getroffen. Den Regissuer des Films "When Hamlet came to Mizoram". Er wohnt etwas ausserhalb in einer Siedlung, die doch schon recht abgeriegelt ist. Und an allen Einfahrten lungern Wachmaenner rum. Mit seinen Worten: "To keep out the plebeians." Und, es zeigte sich, dass die Welt verdammt klein ist. Denn was traegt er? Ein Oberhausen T-Shirt. Er war dort auch Mal vor vielen Jahren Mitglied der internationalen Jury. Das Gespraech war ganz produktiv. Er hat auch ein paar gute Vorschlaege gemacht. Mal sehen, ob die Kontakte klappen, die er mir organisiert hat. Am Samstag haben wir uns noch Mal kurz gesehen. Auf mein klagen hin, dass es doch alles sehr viel komplizierter ist in Indien, als ich vermutet haette und, dass die Bibliotheken (scheinbar) nichts taugen. Meinte er, die Inder koennen nicht "nein" sagen. Die denken, dass die Reise nach Indien fuer einen Europaer wie ein Spaziergang ueber die Strasse ist. Und zur Uni-Bibliothek meinte er: "The library is shit." Er hatte an der Uni Mal einen Lehrauftrag.

Am Donnerstag ging es naemlich - nach dem ich im Sueden gewesen war - einmal quer durch die Stadt zum Nord Campus der Delhi University. Ein riesiges Gelaende. Und es sieht aus, wie nach einem Erdbeben. Sorry. Die Bibliothek konnte wirklich nicht beeindrucken. Leider hatte die Chefin des Englisch Instituts keine Zeit, aber ich werde mich mit ihr treffen, wenn ich wieder in Delhi bin. Von der Uni bin ich dann vier Stationen mit der brand neuen Metro bis Kashmere Gate gefahren. Das ist auch die gesammte Strecke, die zur Zeit im Betrieb ist. Ab dem Sommer soll die Bahn aber bis Connaught Place weiter fahren. Und dann habe ich einen Fehler gemacht. Ich wollte ein Schild, das wirklich zum schreien komisch war, fotographieren. Kaum war der Blitz ausgeloest, wurde ich von einem Wicht in Uniform angemacht. Fotographieren der U-Bahn ist (natuerlich) verboten. Das gleiche gilt in Indien z.B. auch fuer Bruecken. Ich habe das Bild dann vor den Augen des Knaben geloescht. Da war er wieder gluecklich. In Old Delhi wollte ich ja eigentlich nach CP laufen. Aber es war heiss. Und es gab so viele Fahrrad-Rickshaws. Also habe ich einen armen Kerl fuer mich strampeln lassen. Dafuer bin ich aber am naechsten Tag (Freitag) den ganzen Tag gelaufen. Nicht viel, aber wenigsten ein wenig. Ach, am Donnertag habe ich mich abends mit ein paar Deutschen (ueber den Kontakt von Sabine Kroh) getroffen und wir waren in einem super-dekadenten Dachterassenbistro. Mit Blick auf eine alte Ruine. Sehr entspannend. Weniger entspannend war, dass ich meinen Kalender am Bengali Market bei einem Telefonladen hatte liegen lassen. Als ich naechsten Morgen aber da war, hatten sie mir mein Moleskine zurueck gelegt. Danke, danke, danke, danke! Das waere sonst eine richtige Katastrophe geworden.

Am Freitag abend bin ich dann ein wenig durch das Viertel gelaufen und kam an einem Kulturzentrum vorbei, in dem eine kostenlose Theaterauffuehrung gerade angefangen hatte. War sehr eigenartig. Aber nachdem ich eine Rezension gelesen habe, hier eine Zussammenfassung: Es ging um einen Esel (das war durch einen riesigen Eselskopf klar zu erkennen), der sich durch die indischen Behoerden kaempft, um eine Entschaedigung zu erhalten, fuer den Tod seines Eigentuemers, einen Dobhi-Wallah, der von einem Krokodil gefressen wurde. Spaeter verfaengt sich das arme Tier in das indische politsch-oekonomische Netz, wird ausgenutzt, mit der Tochter eines Industriellen verheiratet und ist auch Jurymitglied in einem Schoenheitswettbewerb. Auch das Ende ist, wie Ihr richtig vermutet, tragisch. Aber ueber den Tod wollen wir nicht reden.

Am Samstag ging es zum Khan Market. Schon sehr schick, aber ploetzlich wundert man sich, wieso man 200 Rupien fuer einen Kaffee und ein Stueck Kuchen bezahlt, wo am Bengali Market ein warmes Essen mit einem Lassi nur 100 Rupien kostet.

Zur Zeit bin ich am Plaene schieden. Also, drei Monate werde ich auf keinen Fall in Indien bleiben. Ich sehe Mal wie es morgen im Nationalen Film Archiv laueft. Ich vermute, dass eine Woche hier reichen wird. In Delhi wird eine Woche wahrscheinblich auch reichen (fuer drei verschiedene Bibliotheken). Ich werde dann sehen, zu wann ich meinen Flug umbuche. Kann sein, dass ich ueber das Wochenende nach Goa zum baden fahre. Und nach Bombay wollte ich ja noch auch.

Das Wetter in Pune ist wesentlich angenehmer. Es ist nur 32 Grad warm und nicht 36 Grad heiss, wie in Delhi.

Viele liebe Gruesse, Philipp

Wednesday, April 20, 2005

Looking for Bollywood (1)

Ein Park. Ein richtiger kleiner Park. So mit Rasen und ein paar Leuten, die im Schatten sitzen und Karten spielen. Ein Park, ohne Kuehe, die das karge Gruen auffuttern. Und vor allem Ruhe. Soviel Frieden sogar, dass man das (relativ) spaerliche Autohupen und Eisenbahntroeten kaum hoert. Ich moechte den Park gerne "Eden" taufen.

Heute bin ich von meinem Guesthouse im Norden in Manju Ka Tilla, einer Siedlung am Stadtrand, die auch "Little Tibet" genannt wird, zum Bengali Market gezogen... Aber erstmal zurueck auif Anfang. Das Flugzeug, welches auf dem Weg von Los Angeles nach Delhi in Frankfurt zwischenlanden sollte - fuer einen schnellen Gang durch die Waschstrasse, 200.000 Liter Kerosin und einen Kaffe fuer unterwegs - kam mit ca. zwei Stunden verspaetung an, was den Abflug dementsprechend verzoegerte. Relativ geraedert bin ich also um fuenf Uhr morgens in Delhi angekommen. Leider nicht nur verschlafen, sondern vielmehr veraergert, da ich meine Brille, die ich zum Schlafen in die Ablage vor mir gelegt hatte, einmal in der Mitte durchgebrochen hatte. Das passiert, wenn man "economy" fliegt und zwischen den Sitzen soviel Platz ist, dass man lediglich einen Turm aus Raviolidosen von Aldi gemuetlich aufstellen kann. Mehr ist aber nicht drinn. Und da ich ja bekanntlich mit Beinen gesegnet bin, die ein jedes Supermodel vor Neid Farbe in die blassen oder gebraeunten Wangen treibt - habe ich erwaehnt, dass heute uebrigens die IFW (= Indian Fashion Week) angefangen hat? - habe ich meine Brille mit den Knien zermalmt. Folglich stand ich blind an der Gepaeckausgabe. Ohne was lesen zu koennen habe ich den Ausgang gesucht. Und der jungen Mann, der mir mein Geld wechselte, haette mich laessig bescheissen koennen (was er auch sicher gemacht hat), da ich nichts kontrollieren konnte. Und wie soll man auch auf die Schnelle und ohne all zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, ein zusammengetackertes Buendel mit 100 x 100 Rupienscheinen zaehlen?

Der Lonely Planet meint, es gaebe einen einzigen vertrauenswuerdigen Taxistand. Den habe ich auch zielstrebig angesteuert. Ich aber scheine zur Zeit den ueblichen Dusseltarif fuer dumme weisse Jungs zu zahlen. Und (wer mich kennt, wird hoffentlich zustimmen) ich bin nicht darauf versessen um wirklich alles zu feilschen. Je nach Verhandlungsgeschick habe ich so, z.B., fuer eine Rickshaw-Fahrt von Maju Ka Tilla nach Neu Delhi zwischen 50 und 80 Rupien gezahlt. Sehr schoen, dass alle anderen Produkte einen festen Verkaufspreis haben (MRP = Maximum Retail Price). Der ist schoen aufgedruckt und gut ist's.

Die Leute am Taxistand haben mir 585 Rupien abgeknoepft, keine Quittung ausgestellt, und mich dann zu einem Taxi geleitet. Der Typ, der mich uebernommen hat, ist dann mit mir quer durch die Stadt gefahren (das konnte ich dann spaeter auf dem Stadtplan rekonstruieren) und hat auch noch einen Zwischenstop bei einem "Reisebuero" (?) eingelegt. Dort haben wir eine Weile gesessen, ich habe nochmals erzaehlt wo ich hin wollte, und wir sind weiter gefahren. Aber, ich vermute, das ist Teil der Begruessung.

Manju Ka Tilla ist fest in Tibetischer Hand, mit Bildern des wiedergeborenen Heiligen an jeder Wand und Gebetsfahnen auf den Daechern. Sehr schoen alles. Am ersten Abend habe ich mich mit einem Tibeter unterhalten, der am folgenden Tag ein Bewerbungsgespraech bei der inidisch-tibetischen Schulbehoerde hatte. Ein Zeichen, so weiss ich jetzt, ist ein ganzes Wort,wird aber aus Lautelementen zusammengesetzt. Ein Wort, wie z.B. "die goldene Statue Buddas" hat genug Silben um einen ganzen Satz zu bilden und ich konnte es beim besten Willen nicht aussprechen.

Mein Brille habe ich gestern dann zusammengeklebt bekommen, aber erst beim zweiten Optiker, da der erste meinte, man koenne da auf keinen Fall was machen. Gestern habe ich auch meinen Kontakt an der Universitaet getroffen. Mit der Rickshaw ging es fuer eine Stunde zum Campus im Sueden der Stadt - da ist Delhi wie Berlin, die Uni hat ihre Institute ueber die ganze Stadt verteilt. Das Gespraech war nett aber auch ernuechternd: So konnte mir der Prof. nicht so recht eine Bibliothek nennen, in der ich Material zu einem globalen Thema wie "Shakespeare in Indien" finden wuerde. Aber er hat mir ein paar Vorschlaege gemacht, welche Leute ich versuchen koennte aufzusuchen (vor allem Schauspieler und Filmemacher... und ein Parlamentsmitglied,... dieser Politiker war aber auch einst, naja, Schauspieler). Morgen treffe ich mich moeglicherweise mit dem Regissuer eines Dokumentarfilms, "When Hamlet came to Mizoram", das wird sicherlich interessant.

Gestern war ich auch das erste Mal in Indien dem Tode nahe. Nachdem ich immer mit den Softies unter den Motorrickshaw-Fahreren unterwegs war, habe ich einen Kamikazewallah erwischt. Hoellisch schnell und ohne auf die roten Ampeln zu achten, aber dafuer sehr effizient, muss ich sagen, hat er mich auf Satansfluegeln durch den Feierabendverkehr gebracht. Hut ab! Zwischendrinn hat mein Teufelswallah sich auch noch mit einem Kollegen angelegt, der sich geschnitten gefuehlt hat. Beim naechsten Stau ist dieser ausgestiegen und hat sich maechtig beschwert. Das war auch ein richtig korrekter Spiesser: Das Dreirad war ganz neu und sogar das Taxameter funktionierte.

So, einige meiner Erfahrungen. Klingt ein wenig chaotisch und nicht wirklich nach einer Liebesgeschichte. Hoffentlich kommt das noch. Aber es ist auch gut zu wissen, das junge Maenner einen ansprechen, nur weil sie festgestellt haben, dass die Schuhe ein wenig staubig geworden sind: "Need a shoe shining?" Aber ein Schuhputzer war weit und breit nicht zu sehen. Der romantische Teil meiner Indienreise kommt dann wohl mit der naechsten Mail. Da wird dann Old Delhi ein zweites Mail besucht worden sein. Und ein Bahnticket nach Pune werde ich wohl auch gekauft haben.

Viele liebe Gruesse, Philipp